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Erfassung des Wärmeverbrauchs mit Heizkostenverteilern

Verdunster

Den größten Anteil der Heizkostenverteiler stellen nach wie vor die 'Verdunster', oder genauer:  Heizkostenverteiler nach dem Verdunstungsprinzip - (HKVV) dar. Bei Verdunstern nutzt man die Tatsache, dass die Verdunstung einer Flüssigkeit ein Maß für die zugeführte Wärmemenge darstellt.
Ihr 'Innenleben' besteht aus einem schlanken oben offenen Glasröhrchen (Ampulle), das mit einer speziellen Verdunsterflüssigkeit gefüllt ist. Die Ampulle befindet sich im Inneren eines zweischaligen Gehäuses, das im geschlossenen Zustand mit einer Plombe gegen unbefugtes Öffnen gesichert und am Heizkörper angebracht ist.  Durch die konstruktive Gestaltung der metallischen Gehäuserückseite wird ein enger Wärmekontakt zwischen Heizkörper und der Ampulle angestrebt.
Der Ablesewert ergibt sich aus dem Flüssigkeitsstand, der an der Geräteskala abgelesen werden kann

Erforderliche Korrekturen

Wärmeübergangswert Kc
Die Temperatur der Verdunsterflüssigkeit folgt daher recht genau der Temperatur des den Heizkörper durchströmenden Heizmediums (meistens Wasser). Allerdings ist die Güte des Wärmekontaktes - und damit die Verdunstung der Flüssigkeit innerhalb der Ampulle - abhängig von der Dicke der Heizkörperwandung und der Auflagefläche des Heizkostenverteilers auf dem Heizkörper. Die Güte der Wärmeleitung beschreibt man mit dem Korrekturfaktor Kc. Dieser Faktor muß für jede Kombination einer Heizkörperbauart mit dem jeweiligen Heizkostenverteiler messtechnisch ermittelt werden.

Leistungsfaktor Kq
Die Wärmemenge, die ein Heizkörper bei einer bestimmten Temperatur an den Raum abgibt hängt neben seiner Bauart in erster Linie von seiner Größe ab. Da die Verdunstung der Flüssigkeit jedoch nur von der Temperatur des Heizkörpers abhängt, nicht jedoch von seiner Größe, kommt noch ein weiterer Korrekturfaktor ins Spiel: Der Faktor Kq, der die Leistung des Heizkörpers beschreibt. Je größer ein Heizkörper, je größer ist auch seine Heizleistung und entsprechend der Korrekturfaktor Kq.

Bewertungsfaktor / Einheitsskala / Produktskala
Der Ablesewert (Skalenwert des Flüssigkeitsstandes bei der Ablesung) gibt also zunächst nur einen Wert für die bis zur Ablesung verdunstete Flüssigkeitsmenge an. Um daraus einen aussagekräftigen Verbrauchswert ('Verbrauchseinheit') zu erhalten, muss der Ablesewert  noch mit den Korrekturfaktoren verrechnet werden:
VE (Verbrauchseinheit) = Ablesewert * Kc * Kq
Den Ausdruck (Kq * Kc) bezeichnet man auch als 'Bewertungsfakor', da er den Heizkörper hinsichtlich seines Wärmeübergangs und seiner Leistung 'bewertet'
Daraus ergibt sich: Ablesung * Bewertungsfaktor = VE
Da die Skalenteilung bei allen Heizkostenverteilern dieselbe ist ('Einheitsskala'), bezeichnet man diese Geräte als 'einheitsskaliert'.

Einige Abrechnungsdienste berücksichtigen den Bewertungsfaktor direkt, in dem sie die Teilung der Skala entsprechend auslegen.   Hier liefert der Ablesewert direkt die angefallenen Verbrauchseinheiten (VE).   Diese Geräte bezeichnet man als 'produktskaliert', da die Skalenteilung bereits das Produkt (Kq * Kc) beinhaltet.

Skalenstauchung
Die Verdunstungsgeschwindigkeit der Flüssigkeit in der Ampulle hängt auch vom Füllstand der Ampulle ab. Je niedriger der Füllstand, um so langsamer verläuft die Verdunstung bei gleicher Temperatur. Dies wird durch eine Stauchung der Ableseskala berücksichtigt: Die Abstände der Skalenteile (Striche) werden nach unten immer enger.

Kaltverdunstung
Die Verdunstungsgeschwindigkeit der Flüssigkeit ist abhängig von der Temperatur. Das bedeutet, dass auch bei abgestelltem Heizkörper und in der heizfreien Sommerzeit eine Verdunstung stattfindet. Da der Heizkörper in diesen Fällen die Umgebungstemperatur annimmt, fällt die Verdunstung entsprechen gering aus. Im Jargon wird dieser Vorgang als 'Kaltverdunstung' bezeichnet, da sie am 'kalten' Heizkörper stattfindet. Da der Einfluß der Kaltverdunstung alle Heizkörper im Hause betrifft, ist der 'Fehlbetrag' der Anzeige bei allen Heizkörpern nahezu gleich und kann daher vernachlässigt werden
Um diese Verdunstung jedoch zumindestens teilweise zu kompensieren, werden die Ampullen mit einer zusätzlichen Flüssigkeitsmenge (Kaltverdunstungsvorgabe) befüllt. Diese Zusatzfüllung entspricht der Flüssigkeitsmenge, die in 120 Tagen bei 20°C verdunstet. Diese festlegung entspringt der Überlegung, dass in Deutschland durchschnittlich über vier Monate kein Heizbedarf anfällt.

Bei der Abrechnung von Zwischenablesungen (z. B. Nutzerwechsel) muß der noch nicht 'verbrauchte' Teil der Kaltverdunstungsvorgabe anteilig berechnet und dem Ableseergebnis zugeschlagen werden (sogenannte 'Kaltverdunstungsvorgabe')